„Wenn ich groß bin, werde ich Mitropa-Aschenbecher“.

Negativtuning 5.0 – Ich arbeite mit dem was übrig bleibt

Geschichte wäre nicht Geschichte, wenn es nicht eine Fortsetzung gäbe. Negativtuning ist keineswegs eine abwertende Bemerkung, sondern eher als konstruktiver Vorschlag zu sehen. Ursprünglich wollte ich überhaupt kein Industriebecken anfassen, geschweige denn, ein Tetra AquaArt-Aquarium 20 Liter  tunen. Doch irgendwie hatte sich bereits ein Plan in meinem Kopf festgesetzt. Ein Plan, dieses Aquarium leistungsstärker zu machen. Ich möchte hier keine Grundsatzdiskussion beginnen, warum ein Industriebecken nicht ausgereift ist. Sie endet in der Preispolitik.  Ich verändere die Dinge einfach.

Dunkelzonen im Nano Aquarium

Bei genauer Betrachtung des Tetra AquaArt-Aquariums fiel mir auf, das Teil ist etwas schwach auf der Brust. Die Fakten: Das Leuchtmittel kann nur begrenzt das Innere effektiv ausleuchten. Genauer gesagt, im linken- und rechten Teil der Grundfläche gibt es Dunkelzonen. Warum? Die Kompaktleuchtstoffröhre ist zu knapp bemessen. Einen Teil der Abdeckung nehmen bereits der Sockel des Leuchtmittels und die Unterbringung des Vorschaltgerätes in Anspruch. Nun hat so eine Lampe zwar einen gewissen Abstrahlwinkel an Licht, jedoch taugt der bei einer 11 Watt Kompaktleuchtstoffröhre bei weitem nicht. Des weiteren ist der luftbetriebene Innenfilter mit Luftheber und Filterpatrone völlig unbefriedigend. Die Zuverlässigkeit und Lautstärke der Membranpumpe geben erst recht Grund zum Mangel.   Ich will mehr Filtervolumen, mehr biologische Oberfläche für Bakterien. Oder funktioniert ein Garnelenaquarium anders als ein Fischaquarium? Bestimmt nicht – Stoffwechsel bleibt Stoffwechsel. Also umbauen die Kiste!

Negativtuning 5.0 – Ich arbeite mit dem was übrig bleibt

Diesmal bau ich jedoch nicht zusätzliche Leuchtmittel ein, sondern reduziere nur die Grundfläche. Negativtuning im positiven Sinn. Dadurch verändere ich gleich mehrereBild: Negativtuning / Tetra AquaArt-Aquarium 20 Liter mit nachgerüstetem Zweikammerfilter Faktoren: Das Licht-Wasserverhältnis, bezugnehmend auf die zu bepflanzende quadratische Grundfläche, wird positiver. Das Filtervolumen (vorher war es ein kleiner Schwamm, jetzt sind es 5,03 Liter) wird erhöht. Die um sich laufende Wassermenge wird bei dem gesamten Umbau nur unwesentlich geschmälert. Bild: Negativtuning / Tetra AquaArt-Aquarium 20 Liter mit nachgerüstetem Zweikammerfilter. Der Filter selbst, das Herzstück des Aquariums, nimmt ein Drittel der Grundfläche in Anspruch und besteht aus zwei großzügig bemessenen Teilen:  Die Ansaugkammer, der größere Teil des Filters, mit Oberflächen- und Bodenabsaugung. Zwei zum U-Profil zugeschnittene  Schwämme übernehmen die Vorfilterung. Der Platz für einen Heizstab ist ebenfalls vorgesehen (ich überlass ungern etwas dem Zufall). Bild: Negativtuning / Seitenansicht auf den Zweikammerfilter in einem 20er Tetra AquaArt-Aquarium. Die Pumpenkammer wurde so konzipiert, dass das Wasser zwangsgeführt von unten angesaugt wird. Es bleibt also noch genügend Platz für zusätzliche Filtermedien, die dem Abbau von Nitrat und Phosphat dienen. Die Förderpumpe sitzt kurz unterhalb der Wasseroberfläche. Sie ist selbstverständlich regelbar und sorgt  für eine sanfte Oberflächenbewegung.

Hamburger Matte

Bild: Negativtuning / Die Rückseite eines Hamburger Mattenfilters mit eingesetztem Lifter-Mini.Bild: Negativtuning / 50er Aquarium mit luftbetriebenem Hamburger Mattenfilter, so wie es in meiner Zuchtanlage zum Einsatz kommt.Die weniger aufwändige Variante für die Filterung von kleinen und größeren Aquarien ist die Hamburger Matte. Die Hamburger Matte kommt in vielen Zuchtaquarien oder Zuchtanlagen zum Einsatz.  Die Matte kann seitlich über die Tiefenseite oder über die gesamte Längsseite des Aquariums angebracht werden. Etwas größer geschnitten, verspannt sie sich selbst. Für die Luftförderung gibt es Luftheber in unterschiedlichen Größen, je nach Fördermenge.

Anstiftung zum Warentest

Wenn ich mir im Anschluss noch ein wenig konstruktive Kritik erlauben darf – Kritik über Mitbewerber, die ebenfalls Nano Cubes ins Rennen schicken, die allesamt ihre Macken haben. Preise spielen bei dieser Bewertung keine Rolle.

Wave-Box 26, der Firma Amtra

„Wenn ich groß bin, werde ich Mitropa-Aschenbecher“. Ein Vergleich aus der guten alten Ostzeit zu Brillengläsern, mit denen sie die Taiga anzünden konnten, so stark ist deren Vergrößerung. Die seitlich gebogenen Wände des Nano-Aquariums verzerren den Blick derartig, dass der Betrachter den Eindruck bekommt, er sei besoffen. Der Filter ist für Zwergäffchen geschaffen – deren Hände mögen vielleicht in die zu schmal bemessenen Kammern hineinkommen. Ansaugschlitze sind so groß bemessen, das kleinere Garnelen unweigerlich mit angesaugt werden – sie aus der Ansaugkammer wieder herauszubekommen ist ein Kunststück – na ja, Aquarianer sind erfinderisch. Innerhalb des ersten halben Jahres wechselt der Besitzer mindestens einmal das Leuchtmittel und zweimal die Förderpumpe. Nach einem Jahr hat der Besitzer die Schnauze voll und schmeißt das Teil in die Mülltonne – gut, das es so klein war. Fazit: Das Ding taugt in der Wurzel nichts! Verklebung des Kunststoff-Filtermoduls mangelhaft (der konventionelle Aquariensilikon geht keine dauerhafte Verbindung mit dem Glas ein). Wenn Sie Pech haben, löst sich das gesamte Filtermodul von der Rückwand ab, so wie das vor Jahren bei den Juwel-Innenfiltern passiert ist. Inzwischen hat Juwel das Problem erkannt und verwendet einen vernünftigen Kleber. Amtra ist da etwas schwer- und dickfelliger. Die gekapselte Beleuchtung radiert sich selbst aus, weil die Wärme nicht abgeführt werden kann. Die kleine Förderpumpe in der Pumpenkammer stammt aus einer Billigproduktion, sie gibt zu schnell ihren Geist auf.

Das Dennerle Nano-Aquarium  Das Becken für die kaufkräftigere Klientel

Suggestion kommt vor Bewunderung! Abgesehen von seinem primitiven oberen Abschluss, sind die gebogenen Wände weniger schlimm – sie verzerren den Blick nicht so gravierend. Die Komponenten lassen mit zunehmender Größe (10, 20, 30, 60 Liter) zu wünschen übrig. Das Licht- Wasserverhältnis leidet. Oder ist die anvisierte, kaufkräftigere Klientel genau so verblödet, wie das kaufbewusste Publikum? Bei diesem Satz sollte sich keiner der User angesprochen fühlen – dieser Satz ist ein Appell an die Industrie, endlich ihre Hausaufgaben zu machen. Nebenbei bemerkt, die Aufsetzlampe entwickelt einen eigenartigen Kapillareffekt, wenn der Wasserstand zu hoch ist und die Strömung der Pumpe das Wasser gegen die Rückwand drückt – dann zieht die aufgeschraubte Halterung das Wasser heraus, ähnlich wie bei unausgereiften Abdeckungen,  an deren Außenwänden hässliche Kalknasen entlanglaufen. Der Innenfilter ist eine Prothese – Filtervolumen gleich Null. Das Filtervlies im Inneren taugt bestenfalls für die mechanische Filterung. Bei diesem Aquarium muss der Bodengrund den größten Teil der biologischen Filterung leisten. Zwei kleine Wasserwechsel ( 1/3 Becken ) pro Woche sind absoluter Satz, denn die kleineren Volumen reagieren äußerst sensibel auf starke Wasserbelastung.

Fazit: Ein Aquarium mit Hindernissen und Aufrüstungsbedarf bei den größeren Volumen.

Das neue Hagen Edge, das Becken des Todes „An der Realität vorbei“

Gasaustausch an der Oberfläche komplett in Frage gestellt. Freiheit den Gummiknochen. Bei der Einrichtung diese Aquariums braucht der Besitzer spezielles Equipment, Gummiknochen, um die rechten Winkel zu passieren und in meinem Fall starke Nerven – Blechtonne auf, reinwerfen und sicherheitshalber zuschweißen. Die Beleuchtung eine Katastrophe. Mit den neuen LED-Lampen sieht es etwas heller aus – ein begrenztes Pflanzenwachstum ist möglich. Für Garnelen ist dieses Volumen kein dauerhafter Lebensraum. Sobald die Umgebungstemperatur rapide ansteigt, sinkt der Gasaustausch über die Wasseroberfläche – die Garnelen sterben reihenweise. Fazit: Außen hui – innen pfui. Für die hochgeistigen Formulierungen auf der Verpackung, um das Produkt zu bewerben, bekommt die Firma Hagen einen Nobelpreis! Von einer komplett integrierten Halogenbeleuchtung und einem leistungsstarken Filter ist da die Rede. Zwei Halogenbirnchen und ein Huckepackfilter sind das Auspackerlebnis. Jungs, bleibt auf dem Teppich und hört auf die Leute zu verscheißern.

Eheim Aqua Style 16/24/35 Sauber von der Konkurrenz gelernt

Erstmal geschaut was die anderen machen – aus deren Fehler gelernt und ein völlig überarbeitetes Zubehör auf den Markt gebracht. Am Becken gab es nichts zu verbessern! Ich hab das 16er Teil mal getestet und für gut befunden. Die Internodienabstände der Pflanzen (Knotenabstände bei schnellwüchsigen Pflanzen) sind ultrakurz, was auf eine ausgewogenes Licht- Wasserverhältnis hinweist. Die Filter- Lichtkombination ist gut händelbar und wird vermutlich in vielen anderen Nano-Aquarien zum Einsatz kommen. Zusatzverkäufe schon mal garantiert.:-) Die Pflanzen habe ich täglich mit einem Flüssig CO 2 Dünger gedüngt und einmal die Woche  einen 50 %igen Wasserwechsel mit 80 % Osmosewasser und 20 % Leitungswasser gemacht. Eisen- und Mineraliendünger dürfen natürlich nicht fehlen und müssen wohldosiert hinzugegeben werden. Einzig und allein die Beleuchtung hielt nicht ihre versprochenen 20000 Betriebsstunden. Nach einem halben Jahr quittierte die Lampe ihren Dienst. Woran es jetzt wirklich lag, kann ich ich nicht genau sagen. Ob es jetzt das Vorschaltgerät oder nur die Lampe war, kann nur durch ein gründliche Nachforschung herausgefunden werden. Meistens liegt die Ursache im Totalausfall von LED-Leuchten eher am Netzteil, als an der LED. Kondensatoren, die zum Einsatz kommen, um die geregelte Kleinspannung zu glätten, unterliegen einer hohen thermischen Belastung. Sind die Kondensatoren von einer minderen Qualität, altern sie schnell. Demzufolge kann der Ausfall der Stromversorgung nicht der LED angelastet werden. Alles in allem ist das neue Eheim Nano-Set trotzdem empfehlenswert. Fazit: Vorsicht bei den größeren Volumen 24/35 Liter. Hier könnte das Licht- Wasserverhältnis grenzwertig werden.

Tetra AquaArt-Aquarium

Zum Schluss, die Tetra Riege „Beim Tausch der Abdeckungen sind wir ganz kulant“, obwohl wir wissen, dass wir Schrott verkaufen. Es geht mit einem leichten Flackern los – die Beleuchtung quittiert langsam ihren Dienst. Zuerst wird das Leuchtmittel getauscht – Umsatz schon mal garantiert – doch halt, die Beleuchtung war es nicht – immer noch dunkel. Starter – Vorschaltgerät? Deckel! Zum Glück haben wir das Teil mit Scharnieren versehen – die Stifte darin lassen sich leicht entfernen und schon kann der gesamte Deckel gewechselt werden – Gelber Sack Soll erfüllt – Mittwoch kommt die Müllabfuhr.

Man spricht dabei von Lochfraß!

Ganz übel wird es, wenn der chinesische Freund die Kunststoff-Mischung verändert hat. Dann hält die gekapselte Beleuchtung nicht ihr TÜV-Versprechen. Wasser dringt ein. Die unten abgebildete Abdeckung kam kurz vor Ablauf der Garantie (das sind 2 Jahre) zurück ins Geschäft. Der Kunde monierte zu Recht. Tetra zeigte sich in diesem Fall sehr kooperativ – die   Abdeckung wurde getauscht.

Bild: Negativtuning / Kunststoffmischung ist nicht UV-beständigBild: Negativtuning / Kunststoffmischung ist nicht UV-beständig.Bild: Negativtuning / Kunststoffmischung ist nicht UV-beständig.Bild: Negativtuning / Kunststoffmischung ist nicht UV-beständig.

Leises Garnelensterben

Eine wichtige Sache möchte ich hier noch hinzufügen, die ich jedoch mit meinen begrenzten Messmethoden nicht nachweisen kann. Eine genaue toxikologische Untersuchung könnte Aufschluss geben. Und zwar betrifft es die neue Generation der Tetra AquaArt-Aquarien mit T-5 Technologie. Ausgerüstet sind diese Aquarien mit einem Reflektor, der für eine höhere Lichtausbeute sorgt. Was nicht zum Schaden sein sollte. Trotzdem ist genau dieser Reflektor vermutlich für ein massenhaftes Sterben von Garnelen verantwortlich! Das Material dieses Reflektors ist derart mangelhaft, dass bereits nach kurzer Zeit das Material zu korrodieren beginnt und mit dem abtropfenden Kondenswasser ins Aquariumwasser gelangt. Nicht so schlimm, denken vielleicht einige Aquarianer – wenn da nicht das leise und qualvolle Sterben der Garnelen wäre, die sich scheibchenweise eine Schwermetallvergiftung zuziehen. Nach Entfernung des Reflektors und mehreren großzügigen Wasserwechseln hörte das Sterben auf. Vielleicht sollte Tetra hier mal etwas nachhaken und die Geschichte untersuchen. Fazit: Die Bewunderung eines Produktes ist von der Blödheit seiner Käufer abhängig. Zum Thema Aluminium gibt es einen Film im Internet! Die Akte Aluminium. Einigen Verbrauchern dürfte da himmelangst werden. 

P.S. Ich habe mir diese Dinge hier nicht ausgedacht…

…es sind Beobachtungen und Erfahrungen, die ich mit all diesen Becken gemacht habe, weil ich die Möglichkeit hatte, sie zu testen. In Langzeittests stellten sich die Probleme heraus. Und es waren bestimmt nicht alles Montags-Aquarien. Die Gespräche mit der Industrie waren weniger erfolgreich, die Ausreden immer die selben (schlechte Charge, wir haben keinerlei schlechte Erfahrungen, sie sind der einzige usw). Am Ende hatte ich den Kanal voll und ging über die Fachzeitschriften, die den ein oder anderen Beitrag von mir veröffentlichten. Ich merkte jedoch, wie voreingenommen und wie bestechlich diese Redaktionen sind. Es geht hier um viel Geld pro Jahr – Werbebudget ist der Magnet, der zählt viel mehr als freie Tatsachenberichte. Ich habe bewusst nicht Meinung geschrieben – Meinungen spiegeln nicht Tatsachen wieder. Die Tatsachen im Zoofachhandel sehen eher traurig aus. Der deutsche Zoofachhandel wird als Werkzeug missbraucht. Und über eins müssen Sie sich im Klaren sein liebe Leser, Sie werden immer der Versuchsidiot der Industrie sein!

Aquariumtuning

Waterhome – die Schallmauer ist durchbrochen“

Welchen Grund oder welche Rechtfertigung gibt es eigentlich, ein neues oder gebrauchtes 60 cm Aquarium zu tunen?

Die Antwort ist einfach: seine Unvollkommenheit – und der gestiegene Anspruch seines Besitzers. Ein Aquarianer, der nicht frustriert das Handtuch geworfen hat, sondern seine Erfahrungen gesammelt hat, orientiert sich irgendwann an einem höheren technischen Niveau. Er möchte Eigenschaften größerer oder besser ausgestatteter Aquarien auf das eigene Becken übertragen.

Das Problem: Solche Lösungen sind im deutschen Zoofachhandel häufig nicht als Komplettsystem erhältlich. Also bleibt nur eines – improvisieren. Oder, wie ich es nenne: tunen.

Eines vorweg: Aquariumtuning erfordert zwei Dinge – Idealismus und Geld. Idealismus, damit einem unterwegs nicht die Motivation ausgeht. Geld, um die notwendigen Komponenten zu beschaffen.

Doch was lässt sich an einem Aquarium überhaupt verbessern?

Im Wesentlichen sind es zwei Bereiche: die Filterung und die Beleuchtung.

Der serienmäßige Innenfilter erfüllt zwar grundsätzlich seinen Zweck, mehr allerdings auch nicht. Deshalb empfiehlt der Fachhandel häufig den Umstieg auf einen Außenfilter. Das Argument ist nachvollziehbar: mehr Filtervolumen bedeutet in der Regel eine höhere biologische Leistungsfähigkeit.

Für das hier verwendete Aquarium wird beispielsweise ein Außenfilter mit rund 2,3 Litern Filtervolumen empfohlen. Er ist sogar leicht überdimensioniert, was grundsätzlich kein Nachteil ist. Die Förderleistung lässt sich über den Absperrhahn auf der Druckseite problemlos anpassen.

9 Liter Filtervolumen

Doch warum überhaupt einen Außenfilter verwenden?

Warum nicht den Filter direkt in das Aquarium integrieren?

Bild: Arnold Design Aquarien / Aquariumtuning / Seitenansicht auf den Dreikammerfilter in einem getuntem 60er Waterhome SetGenau diesen Weg bin ich gegangen. Das Ergebnis sind rund 9 Liter Filtervolumen, in denen gleichzeitig Heizstab und Förderpumpe vollständig verschwinden. Die gesamte Technik befindet sich unsichtbar im Aquarium. Das wirkt nicht nur aufgeräumter, sondern erhöht auch die Betriebssicherheit, da keine außenliegenden Schläuche oder Verbindungen erforderlich sind.

 

Für den Filter wurden lediglich zehn Zentimeter der Beckenlänge geopfert. Das Wasservolumen reduziert sich dadurch nur geringfügig, während eine großzügige Pflanzfläche erhalten bleibt.

Ein zweiter Vorteil zeigt sich beim Blick auf den Lichtkasten.

Die serienmäßige Beleuchtung beginnt erst deutlich innerhalb der Außenkanten der Abdeckung. Links und rechts bleiben jeweils rund zehn Zentimeter nahezu unbeleuchtet. Es entstehen die bekannten Dunkelzonen, in denen viele Pflanzen nur unzureichend wachsen.

Der Grund liegt in den standardisierten Leuchtbalken. Die meisten Lichtkästen sind ausschließlich für eine bestimmte Lampengröße ausgelegt.

Ich sage bewusst „ausgelegt“, denn genau hier beginnt das eigentliche Tuning.

Mit wenigen konstruktiven Änderungen lässt sich die Beleuchtung erheblich verbessern und eines der größten Probleme vieler Komplettaquarien beseitigen.

Moderne Wasserpflanzen stellen heute deutlich höhere Ansprüche an die Lichtmenge als noch vor einigen Jahren. Eine ein- oder zweiflammige Standardabdeckung mit einfachen Leuchtstoffröhren reicht dafür oft nicht mehr aus.

Auch das schönste Produktfoto auf der Verpackung ersetzt keine ausreichende Lichtleistung. Es weckt Erwartungen, die viele Komplettsets im praktischen Betrieb nicht erfüllen können.

Bild: Arnold Design Aquarien / Aquariumtuning / Es geht auch ohne Industrie. Die erste modifizierte Waterhome-Abdeckung mit 4 x 15 Watt.In unserem Fall handelt es sich um ein Waterhome-Aquarium. Deshalb wird die Beleuchtung konsequent auf vier Leuchtstoffröhren erweitert.

Natürlich freut sich darüber auch der Fachhandel. Zusätzliche Leuchtbalken, Röhren und Reflektoren sorgen schließlich ebenfalls für Umsatz. Da leuchten nicht nur die Lampen, sondern auch die Augen aller Beteiligten.

Die Sonne geht auf

Mit 4 × 15 Watt verändert sich das Aquarium grundlegend.

Bild: Arnold Design Aquarien / Aquariumtuning / 60er Waterhome Set im bepflanzten Zustand.Die Lichtleistung steigt auf ein Niveau, das anspruchsvolle Wasserpflanzen erst richtig zur Geltung bringt. Aus einem gewöhnlichen Gebrauchtbecken wird wieder ein leistungsfähiges Pflanzenaquarium.

Für viele Aquarien bedeutet ein solcher Umbau die Rettung vor dem Keller oder dem Wertstoffhof.

So macht Aquaristik wieder Spaß und erreicht den Anspruch, den dieses Hobby verdient.

Die serienmäßige Beleuchtung überzeugt mich dagegen nicht. Für anspruchsvolle Bepflanzungen ist sie schlicht zu schwach ausgelegt.

Mein Rat an den Fachhandel lautet deshalb: Beschäftigen Sie sich stärker mit den tatsächlichen Bedürfnissen Ihrer Kunden und bieten Sie durchdachte Nachrüstlösungen an.

Meine Empfehlung an die Industrie fällt deutlich kürzer aus: Wer technische Entwicklungen verschläft, darf sich nicht wundern, wenn andere diese Lücke schließen.

In diesem Sinne – weitermachen.

Die Illusion von Wertarbeit

P.S.

Am 19. November 2012 endete die Geschichte dieses eigentlich wunderschönen Aquariums.

Unbemerkt war das Becken bereits am Vortag ausgelaufen. Die Ursache war eine Silikonnaht an der Rückwand, die sich vollständig gelöst hatte.

Bereits Monate zuvor hatte ich die Frontscheibe nacharbeiten müssen. Einige Wassertropfen auf dem Fußboden waren das erste Warnsignal. Ein langsam aufquellender Unterschrank das zweite.

Also kam Unterwasserkleber zum Einsatz. Das brachte lediglich zwei Tage Ruhe, bevor das Aquarium erneut zu tropfen begann.

Als nächste Maßnahme verklebte ich Aluminiumwinkel an den Außenecken des Beckens. Sie stoppten den Wasseraustritt vollständig und fügten sich optisch überraschend gut ein.

Die hinteren Silikonnähte wirkten weiterhin einwandfrei.

Doch dieser Eindruck war trügerisch.

Kurze Zeit später löste sich die hintere Naht vollständig.

Vier Jahre hatte dieses Industriebecken durchgehalten.

Der Anschaffungspreis betrug 49,99 Euro. Manche werden sagen, für diesen Preis könne man nicht mehr erwarten. Ich sehe das anders. Auch ein günstiges Aquarium sollte viele Jahre zuverlässig dicht bleiben.

Meine Konsequenz aus dieser Erfahrung lautet deshalb: Entweder lässt man solche Konstruktionen konsequent stehen oder man verstärkt sämtliche tragenden Klebenähte bereits vor der ersten Inbetriebnahme.

Eigentlich sollte das jedoch nicht Aufgabe des Käufers sein.

Bemerkenswert ist außerdem, dass auch die 80-cm-Serie desselben Herstellers ähnliche Probleme zeigte. Im Zoofachhandel kamen diese Aquarien regelmäßig als Reklamationen zurück und mussten ausgetauscht werden – teilweise sogar noch innerhalb der Garantiezeit.

Fazit

Ein niedriger Kaufpreis darf keine Rechtfertigung für konstruktive Mängel sein.

Ein Aquarium ist kein Wegwerfprodukt, sondern ein Gebrauchsgegenstand, der über viele Jahre zuverlässig funktionieren sollte.

Qualität zeigt sich nicht im Prospekt und auch nicht auf der Verpackung, sondern im täglichen Betrieb.

Erst dort entscheidet sich, ob der Käufer ein ausgereiftes Produkt erworben hat – oder ob er ungewollt zum Langzeittester der Industrie geworden ist.

Text und Bilder: Erik Maik Arnold