Negativtuning – Tetra AquaArt-Aquarium 20 Liter
Geschichte wäre nicht Geschichte, wenn es nicht eine Fortsetzung gäbe. Negativtuning ist keineswegs eine abwertende Bemerkung, eher als konstruktiver Vorschlag zu sehen. Eine Zeitlang habe ich die Denkweise vertreten, ein Tetra AquaArt-Aquarium überhaupt nicht anzufassen, geschweige denn zu tunen. Doch je länger ich darüber nachdachte, umso mehr wuchs ein Plan in meinem Kopf. Ein Plan, dieses Aquarium leistungsstärker zu machen. Ich möchte hier keine Grundsatzdiskussion beginnen, warum ein Industriebecken nicht ausgereift ist. Sie endet in der Preispolitik – ich verändere die Dinge einfach. Schaut sich der aufmerksame Betrachter das Aquarium im Ganzen etwas genauer an, das heißt, die Summe seiner Teile, stellt er sehr schnell fest, dass hier genug kreativer Tuningspielraum vorhanden ist. Die Fakten: Das Leuchtmittel kann nur begrenzt das Innere effektiv ausleuchten. Genauer gesagt, im linken und rechten Teil der Grundfläche gibt es Dunkelzonen. Warum? Die Kompaktleuchtstoffröhre ist zu knapp bemessen. Einen Teil der Abdeckung nehmen bereits der Sockel des Leuchtmittels und die Unterbringung des Vorschaltgerätes in Anspruch. Nun hat so eine Lampe zwar einen gewissen Abstrahlwinkel an Licht, dieser befriedigt jedoch meine gestiegenen Ansprüche nicht. Des Weiteren genügt der luftbetriebene Innenfilter meinen Ansprüchen nicht – die Zuverlässigkeit und Lautstärke der Membranpumpe erst recht nicht – ich will mehr Filtervolumen, mehr biologische Oberfläche für Bakterien. Oder funktioniert ein Garnelenaquarium anders als ein Fischaquarium? Bestimmt nicht – Stoffwechsel bleibt Stoffwechsel.
Also umbauen, die Kiste!
Diesmal baue ich jedoch nicht zusätzliche Leuchtmittel ein, sondern reduziere nur die Grundfläche. Dadurch ändere ich gleich mehrere Faktoren: Das Licht-Wasser-Verhältnis, bezugnehmend auf die zu bepflanzende, quadratische Grundfläche, wird positiver, das Filtervolumen (vorher war es ein kleiner Schwamm, jetzt sind es 5,03 Liter) wird erhöht. Die umlaufende Wassermenge wird bei dem gesamten Umbau nur unwesentlich geschmälert.
Der Filter selbst, das Herzstück des Aquariums, nimmt ein Drittel der Grundfläche in Anspruch und besteht aus zwei großzügig bemessenen Teilen: Die Ansaugkammer, der größere Teil des Filters, mit Oberflächen- und Bodenabsaugung. Zwei zum U-Profil zugeschnittene Schwämme übernehmen die Vorfilterung, Platz für einen Heizstab ist ebenfalls vorgesehen (ich überlasse ungern etwas dem Zufall).

Die Pumpenkammer wurde so konzipiert, dass das Wasser zwangsgeführt von unten angesaugt wird, Platz für zusätzliche Filtermedien noch vorhanden ist, die dem Abbau von Nitrat und Phosphat dienen. Die Förderpumpe sitzt kurz unterhalb der Wasseroberfläche, selbstverständlich regelbar, sorgt sie für eine sanfte Oberflächenbewegung. Die weniger aufwändige Variante ist die Hamburger-Matten-Version, wie sie in vielen Zuchtaquarien oder Zuchtanlagen zum Einsatz kommt. Den ursprünglichen Luftheber, der beim Originalbecken dabei ist, kann direkt verwendet werden. Die Matte kann seitlich oder über die gesamte Längsseite angebracht werden. Etwas größer geschnitten, verspannt sie sich selbst.
Die Konkurrenz auf dem Prüfstand
Wenn ich mir im Anschluss noch ein paar Vergleiche erlauben darf – Vergleiche über Mitbewerber, die ebenfalls Nano-Cubes ins Rennen schicken, die allesamt ihre Macken haben. Preise spielen bei dieser Bewertung keine Rolle.
Wave-Box 26 der Firma Amtra
„Wenn ich groß bin, werde ich Mitropa-Aschenbecher.“ Ein Vergleich aus der guten alten Ostzeit zu Brillengläsern, mit denen sie die Taiga anzünden konnten, so stark ist deren Vergrößerung. Die seitlich gebogenen Wände des Aquariums verzerren den Blick derartig, dass der Betrachter den Eindruck bekommt, er sei besoffen.
Der Filter ist für Zwergäffchen geschaffen – deren Hände mögen vielleicht in die zu schmal bemessenen Kammern hineinkommen.
Ansaugschlitze sind so groß bemessen, dass kleinere Garnelen unweigerlich mit angesaugt werden – sie aus der Ansaugkammer wieder herauszubekommen, ist ein Kunststück – na ja, Aquarianer sind erfinderisch. Innerhalb des ersten halben Jahres wechselt der Besitzer mindestens einmal das Leuchtmittel und zweimal die Förderpumpe. Nach einem Jahr hat der Besitzer die Schnauze voll und schmeißt das Teil in die Mülltonne – gut, dass es so klein war. Fazit: Das Ding taugt in der Wurzel nichts. Verklebung des Kunststoff-Filtermoduls mangelhaft (der konventionelle Aquariensilikon geht keine dauerhafte Verbindung mit dem Glas ein). Wenn Sie Pech haben, löst sich das gesamte Filtermodul von der Rückwand ab, so wie das vor Jahren bei den Juwel-Innenfiltern passiert ist. Inzwischen hat Juwel das Problem erkannt und verwendet einen vernünftigen Kleber. Amtra ist da etwas schwer- und dickfelliger. Die gekapselte Beleuchtung radiert sich selbst aus, weil die Wärme nicht abgeführt werden kann. Die kleine Förderpumpe in der Pumpenkammer stammt aus einer Billigproduktion, sie gibt zu schnell ihren Geist auf.
Das Dennerle Nano-Aquarium „Das Becken für die kaufkräftigere Klientel“
Suggestion kommt vor Bewunderung! Abgesehen von seinem primitiven oberen Abschluss sind die gebogenen Wände weniger schlimm – sie verzerren den Blick nicht so gravierend. Die Komponenten lassen mit zunehmender Größe (10, 20, 30, 60 Liter) zu wünschen übrig. Das Licht-Wasser-Verhältnis leidet. Oder ist die anvisierte, kaufkräftigere Klientel genauso verblödet wie das kaufbewusste Publikum? Bei diesem Satz sollte sich keiner der User angesprochen fühlen – dieser Satz ist ein Appell an die Industrie, endlich ihre Hausaufgaben zu machen. Nebenbei bemerkt, die Aufsetzlampe entwickelt einen eigenartigen Kapillareffekt, wenn der Wasserstand zu hoch ist und die Strömung der Pumpe das Wasser gegen die Rückwand drückt – dann zieht die aufgeschraubte Halterung das Wasser heraus, ähnlich wie bei unausgereiften Abdeckungen, an deren Außenwänden hässliche Kalknasen entlanglaufen. Der Innenfilter ist eine Prothese – Filtervolumen gleich null. Das Filtervlies im Inneren taugt bestenfalls für die mechanische Filterung. Bei diesem Aquarium muss der Bodengrund den größten Teil der biologischen Filterung leisten. Zwei kleine Wasserwechsel (1/3 Becken) pro Woche sind absoluter Satz, denn die kleineren Volumen reagieren äußerst sensibel auf starke Wasserbelastung. Fazit: Ein Aquarium mit Hindernissen und Aufrüstungsbedarf bei den größeren Volumen.
Das neue Hagen Edge, das Becken des Todes „An der Realität vorbei“
Gasaustausch an der Oberfläche komplett infrage gestellt. Freiheit den Gummiknochen. Bei der Einrichtung dieses Aquariums braucht der Besitzer spezielles Equipment, Gummiknochen, um die rechten Winkel zu passieren, und in meinem Fall starke Nerven – Blechtonne auf, reinwerfen und sicherheitshalber zuschweißen. Die Beleuchtung eine Katastrophe. Mit den neuen LED-Lampen sieht es etwas heller aus – ein begrenztes Pflanzenwachstum ist möglich. Für Garnelen ist dieses Volumen kein dauerhafter Lebensraum. Sobald die Umgebungstemperatur rapide ansteigt, sinkt der Gasaustausch über die Wasseroberfläche – die Garnelen sterben reihenweise.
Fazit: Außen hui – innen pfui. Für die hochgeistigen Formulierungen auf der Verpackung, um das Produkt zu bewerben, bekommt die Firma Hagen einen Nobelpreis! Von einer komplett integrierten Halogenbeleuchtung und einem leistungsstarken Filter ist da die Rede. Zwei Halogenbirnchen und ein Huckepackfilter sind das Auspackerlebnis. Jungs, bleibt auf dem Teppich und hört auf, die Leute zu verscheißern.
Eheim Aqua Style 16/24/35 „Sauber von der Konkurrenz gelernt“!
Erstmal geschaut, was die anderen machen – aus deren Fehler gelernt und ein völlig überarbeitetes Zubehör auf den Markt gebracht. Am Becken gab es nichts zu verbessern! Ich habe das 16er Teil mal getestet und für gut befunden. Die Internodienabstände der Pflanzen (Knotenabstände bei schnellwüchsigen Pflanzen) sind ultrakurz, was auf ein ausgewogenes Licht-Wasser-Verhältnis hinweist. Die Filter-Licht-Kombination ist gut handhabbar und wird vermutlich in vielen anderen Nano-Aquarien zum Einsatz kommen. Zusatzverkäufe schon mal garantiert. 🙂 Die Pflanzen habe ich täglich mit einem Flüssig-CO₂-Dünger gedüngt und einmal die Woche einen 50%igen Wasserwechsel mit 80 % Osmosewasser und 20 % Leitungswasser gemacht. Eisen- und Mineraliendünger dürfen natürlich nicht fehlen und müssen wohldosiert hinzugegeben werden. Einzig und allein die Beleuchtung hielt nicht ihre versprochenen 20.000 Betriebsstunden. Nach einem halben Jahr quittierte die Lampe ihren Dienst. Woran es jetzt wirklich lag, kann ich nicht genau sagen. Ob es jetzt das Vorschaltgerät oder nur die Lampe war, kann nur durch eine gründliche Nachforschung herausgefunden werden. Meistens liegt die Ursache im Totalausfall von LED-Leuchten eher am Netzteil als an der LED. Kondensatoren, die zum Einsatz kommen, um die geregelte Kleinspannung zu glätten, unterliegen einer hohen thermischen Belastung. Sind die Kondensatoren von einer minderen Qualität, altern sie schnell. Demzufolge kann der Ausfall der Stromversorgung nicht der LED angelastet werden. Alles in allem ist das neue Eheim Nano-Set trotzdem empfehlenswert. Fazit: Vorsicht bei den größeren Volumen 24/35 Liter. Hier könnte das Licht-Wasser-Verhältnis grenzwertig werden.
Tetra AquaArt-Aquarium
Zum Schluss die Tetra-Riege „Beim Tausch der Abdeckungen sind wir ganz kulant“, obwohl wir wissen, dass wir Schrott verkaufen. Es geht mit einem leichten Flackern los – die Beleuchtung quittiert langsam ihren Dienst. Zuerst wird das Leuchtmittel getauscht – Umsatz schon mal garantiert – doch halt, die Beleuchtung war es nicht – immer noch dunkel. Starter – Vorschaltgerät? Deckel! Zum Glück haben wir das Teil mit Scharnieren versehen – die Stifte darin lassen sich leicht entfernen und schon kann der gesamte Deckel gewechselt werden – Gelber Sack soll erfüllt sein – Mittwoch kommt die Müllabfuhr. Man spricht dabei von Lochfraß! Ganz übel wird es, wenn der chinesische Freund die Kunststoff-Mischung verändert hat. Dann hält die gekapselte Beleuchtung nicht ihr TÜV-Versprechen. Wasser dringt ein. Die unten abgebildete Abdeckung kam kurz vor Ablauf der Garantie (das sind 2 Jahre) zurück ins Geschäft. Der Kunde monierte zu Recht. Tetra zeigte sich in diesem Fall sehr kooperativ – die Abdeckung wurde getauscht.




Leises Garnelensterben
Eine wichtige Sache möchte ich hier noch hinzufügen, die ich jedoch mit meinen begrenzten Messmethoden nicht nachweisen kann. Eine genaue toxikologische Untersuchung könnte Aufschluss geben. Und zwar betrifft es die neue Generation der Tetra AquaArt-Aquarien mit T-5-Technologie. Ausgerüstet sind diese Aquarien mit einem Reflektor, der für eine höhere Lichtausbeute sorgt. Was nicht zum Schaden sein sollte. Trotzdem ist genau dieser Reflektor vermutlich für ein massenhaftes Sterben von Garnelen verantwortlich! Das Material dieses Reflektors ist derart mangelhaft, dass bereits nach kurzer Zeit das Material zu korrodieren beginnt und mit dem abtropfenden Kondenswasser ins Aquariumwasser gelangt. Nicht so schlimm, denken vielleicht einige Aquarianer – wenn da nicht das leise und qualvolle Sterben der Garnelen wäre, die sich scheibchenweise eine Schwermetallvergiftung zuziehen. Nach Entfernung des Reflektors und mehreren großzügigen Wasserwechseln hörte das Sterben auf. Vielleicht sollte Tetra hier mal etwas nachhaken und die Geschichte untersuchen.
Fazit: Die Bewunderung eines Produktes ist von der Blödheit seiner Käufer abhängig. Das Geschäft mit der Dummheit.
P.S. Ich habe mir diese Dinge hier nicht ausgedacht …
… es sind Beobachtungen und Erfahrungen, die ich mit all diesen Becken gemacht habe, weil ich die Möglichkeit hatte, sie zu testen. In Langzeittests stellten sich die Probleme heraus. Und es waren bestimmt nicht alles Montags-Aquarien. Die Gespräche mit der Industrie waren weniger erfolgreich, die Ausreden immer dieselben (schlechte Charge, wir haben keinerlei schlechte Erfahrungen, Sie sind der Einzige usw.). Am Ende hatte ich den Kanal voll und ging über die Fachzeitschriften, die den ein oder anderen Beitrag von mir veröffentlichten. Ich merkte jedoch, wie voreingenommen und wie bestechlich diese Redaktionen sind. Es geht hier um viel Geld pro Jahr – Werbebudget ist der Magnet, der zählt viel mehr als freie Tatsachenberichte. Ich habe bewusst nicht Meinung geschrieben – Meinungen spiegeln nicht Tatsachen wider. Die Tatsachen im Zoofachhandel sehen eher traurig aus. Der deutsche Zoofachhandel wird als Werkzeug missbraucht. Und über eins müssen Sie sich im Klaren sein, liebe Leser: Sie werden immer der Versuchsidiot der Industrie sein!